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Kapellenberg


Kapellenberg
Die Bedeutung des Kapellenberges für den Ort Mainaschaff ergibt sich aus den zahlreichen Veröffentlichungen im Heimatbuch "ascapha - Mainaschaff", herausgegeben von der Gemeinde Mainaschaff, dem Jubiläumsband der Mainaschaffer Ortsgeschichte, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Orts- und Familiengeschichte, der Presse und den Nutzungen. Die weltliche und religiöse Vergangenheit und Gegenwart gebieten uns, diese für unsere Nachkommen zu dokumentieren. Dies soll mit diesem bebilderten Lageplan und der dazugehörigen Beschreibung geschehen.

Bereits im 13. Jahrhundert wurde auf dem Kapellenberg Wein angebaut. Auf der Spessartkarte von Paul Pfinzing (1594) ist der Mainaschaffer Weinberg nicht nur mit einem entsprechenden Symbol eingezeichnet, sondern auch ausdrücklich mit der Beschriftung "Weinberg" versehen. Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, als auf dieser ältesten überlieferten Spessartkarte, die das Maintal von Gemünden bis Klein-Krotzenburg wiedergibt, am gesamten Flusslauf lediglich noch der Weinberg Klingenberg, allerdings ohne ihn als solchen zu benennen, eingetragen ist.

Später wurde auf diesem Weinberg ein "Kreuz von Stein" errichtet, "welches von weitem sichtbar den Platz verschönt, auf einem Punkte, der eine weite, schöne Aussicht bietet". Nähere Angaben über dieses Kreuz gibt es leider nicht, es muss jedoch in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Kapelle gestanden haben.

Diese wurde mit Statue der Muttergottes von Lourdes am 24. Juni 1887 eingeweiht und war Ziel vieler grosser Prozessionen.

Der Beobachter am Main schrieb am 25. Juni 1887:

"Gestern Nachmittag wurde dahier die neuerrichtete, sehr hübsch auf dem Berg gelegene Kapelle mit der Statue der Muttergottes von Lourdes durch den hochw. Herrn P. Guardian von Aschaffenburg unter Assistenz des Herrn Ortspfarrers und eines Nachbargeistlichen feierlich eingeweiht. Die Pfarrgemeinde hatte Alles aufgeboten, um das Fest zu verherrlichen. Als die Statue in der Kirche nach einer kurzen Andacht benedicirt war, bewegte sich eine ausserordentliche grosse Prozession durch die reich geschmückten Strassen des Ortes hinaus auf den Berg. Weissgekleidete Mädchen trugen die Muttergottesstatue, andere streuten Blumen, trugen Kränze und Lilien. Jung und Alt, Gross und Klein, Alle wollten sie theilnehmen am Festzuge zu Ehren der Muttergottes, und sah man manchen alten Mann, der sich mühsam an dem Stabe fortgewegte. Oben angekommen ward zunächst die Kapelle benedicirt. Hierauf hielt der hochw. Herr P. Guardian zu den Volksschaaren eine der hehren Feier entsprechende Predigt, die wohl jedem Zuhörer lange im Gedächtnis und im Herzen bleiben wird. Die Andacht zum Herzen Mariae schloss die grossartige Feier. Noch lange beteten die frommen Wallfahrer an der neuen Gnadenstätte. - Es kann den edlen Männern, von welchen der Plan zu dem Werke , das unter des Himmels Segen so schön gelang, ausging, nicht genug der Dank der Gemeinde und auch der Umgegend ausgedrückt werden; nicht minder denen, welche in so uneigennütziger Weise unter grossen Opfern an Zeit und Geld das Werk zur Ausführung brachten. - Nicht lange wird es dauern, und die neue Gnadenstätte wird ein mächtiger Anziehungspunkt sein für nah und fern. Möge Maria die Unbefleckte , schirmend und schützend ihre Hand halten ueber die Gemeinde Mainaschaff und allen frommen Besuchern der neuen Gebetsstaette Hilfe, Trost und Segen spenden".

Exakt 3 Jahre später, nämlich am 24. Juni 1890 wurden die Kreuzwegstationen eingeweiht.

Der Beobachter am Main schrieb am 26. Juni 1890:

"Die Stationeneinweihung auf dem Weinberge zu Mainaschaff an der Stelle der Lourdesgruppe.

Bekanntlich wurde diese Gruppe resp. Statue vor drei Jahren durch den ehemaligen Pater Quardian eingeweiht, wie wir schon s. Z. im "Beobachter" diese feierliche Handlung mitgetheilt haben. Nun haben sich die Verehrer der allerseligsten Gottesmutter durch milde Gaben herbeigelassen, an demselben Platze den Leidensweg des Heilandes durch die vierzehn Stationen zu verherrlichen, welche am hl. Dreifaltigkeitssonntag eingeweiht werden sollten. Zur Vornahme dieser hl. Handlung war Herr Pater Ruppert bestellt und auch erschienen, er konnte dieselbe jedoch nicht vornehmen, weil die bischöfliche Genehmigung fehlte. Da nun alles in Bereitschaft war, so zog eine Prozession mit Fahnen und Kreuzen nach dorten, wo sich auch eine Menge Andächtiger von den umliegenden Ortschaften einfanden und besonders Kleinostheim stark vertreten war. Dort angelangt hielt der Herr Pater eine einstuendige Rede, welche die Leidensgeschichte des lieben Heilandes in allen Theilen tief erfasste und darlegte. Dabei kam die so schmerzhafte Mutter des Herrn in ausführliche Betrachtung und wurde alsdann die Kreuzwegandacht abgehalten. Nach Beendigung dieser Andacht zog die Prozession mit Gebet und Gesang wieder nach Mainaschaff. Es blieben aber zur weiteren Andacht zu Ehren der Frau von Lourdes viele Leute zurück, besonders die Auswärtigen, welche noch über eine Stunde der Andacht beiwohnten. Nachdem die bischöfliche Genehmigung unterdessen eingegangen war, wurde die Weihe des hl. Kreuzwegs am Feste des hl. Johannes, den 24. ds., vollzogen. Diesmal ging zwar von Mainaschaff aus keine Porzession nach dorten, aber die Bewohner unseres Ort es, alt und Jung, sammelten sich vor dem Orte, um der Weihe anzuwohnen. Die ganze Gemeinschaft zog nach dorten, um sich der von Kleinostheim kommenden Prozession anzuschliessen und das beregte Fest wurde feierlich auf dem schönen Berge begangen. Herr Pater Ruppert hielt abermals eine tiefergreifende Rede in der er den religiösen Sinn sowohl der Gemeinde Mainaschaff, aber ganz besonders den der Kleinostheimer und Umgegend schilderte, den Tag der Einweihung der Statue von der lieben Frau geziemend erwähnte, so dann wieder den Stationsweg abhielt, mehrere Gebete verrichtete und nach ertheiltem Segen diese gottgeheiligte Stelle verliess. Die Andächtigen blieben noch längere Zeit, um zu beten und sich besonders durch einen schönen, der Feier würdigen Gesang zu erbauen an diesem Orte, wo sich alsdann die Prozession nach Kleinostheim bewegte und die Übrigen nach und nach in ihre Ortschaften zurückkehrten. Man glaubt nun allenthalben, dass dieser Ort sich mit der Zeit mehr aufschwingen werde und vielleicht noch eine Wallfahrtsstaette dort entstehen könnte, umsomehr, da viele Opfer an Geld und Wachs dort eingehen. Zu diesen Opfern lassen sich wieder besonders die Kleinostheimer herbei. Die Verwaltung über die Opfer hat Herr Pfarrer Röll von Mainaschaff übernommen. Wir wünschen dem edlen Zwecke gutes Gedeihen".

Die Kreuzwegstationen bestehen aus Rotsandstein-Aedikulen, welche auf einem Sockel aus gelbem Klinkermauerwerk stehen. Auf den Giebeln ist jeweils ein Sandsteinkreuz aufgebracht. Die Leidensgeschichte ist auf rechteckigen Terrakotta-Reliefs dargestellt, welche in die Sandstein-Gehäuse eingepasst sind. Leider wurden im Laufe der Jahre immer wieder Sandsteinkreuze und Figurenteile abgeschlagen. So nahm die Kirchenverwaltung in den achtziger Jahren die Renovierung der Kreuzwegstationen in ihre Planungen auf. 1995/96 wurden die Kreuzwegstationen für 180.000 DM renoviert. Die Gemeinde Mainaschaff gewährte hierzu einen Zuschuss von 90.000 DM. Mit den weiteren Zuschüssen vom bischöflichen Ordinariat mit 35.000 DM, Landratsamt Aschaffenburg 8.000 DM und Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege 10.000 DM, sowie ca. 40.000 DM Spenden, wurden die Gesamtkosten gedeckt. Am Kreuzweg stehen heute Kunststeinkopien; die Originale werden von der Gemeinde aufbewahrt. Möglicherweise schmücken sie einmal die noch zu erweiternde Leichenhalle im Friedhof.

Die ehemalige Kapelle wurde im marianischen Jahr 1954 durch die heutige ersetzt.

Das Main-Echo schrieb am 07. Mai 1954:

"Neue Marienkapelle in Mainaschaff - Am Sonntag ist die Weihe auf dem Kapellenberg.

Am Sonntag um 15.30 Uhr wird die Marienkapelle auf dem Kapellenberg in Mainaschaff eingeweiht. Domkapitular Dr. Brander nimmt die Weihe vor und hält die Ansprache. Bereits um 14.45 Uhr finden sich die Gläubigen der Pfarrei in Mainaschaff in der Pfarrkirche ein um von da aus mit der Prozession auf den Kapellenberg zu wallen. Auch die Pfarreien St. Michael und St. Konrad in Aschaffenburg, Stockstadt, Kleinostheim und Dettingen wallen auf den Kapellenberg und werden am Weiheakt teilnehmen. In unermüdlicher Mithilfe der Gläubigen ist auf dem schön gelegenen Kapellenberg die Kapelle entstanden. Architekt Lill Würzburg hat sie entworfen. Sie besteht aus einem 8 Meter hohen Turm und ist mit Randersackerer Muschelkalksteinen gebaut. Das Vordach und der Turm ist mit Kupferblech abgedeckt. Oben ist ein Kreuz in einer Hoehe von 1,80 Meter angebracht. Der Platz um die Kapelle ist gegenüber früher bedeutend erweitert worden. Auch die Kreuwegstationen wurden im Zusammenhang mit dem Neubau der Kapelle renoviert und der Kreuzweg selbst ist wieder instandgesetzt. Es ist beabsichtigt, den hinteren Teil des Kapellenberges, der unter Naturschutz steht, noch auszugestalten. Die Kapelle passt sich sehr gut dem Landschaftsbild an. Ortspfarrer Schadler hat die Gemeinde um ein Kleinod bereichert".

Das Aschaffenburger Volksblatt schrieb am 11. Mai 1954:

"Neue Mainaschaffer Kapelle geweiht - Zu Ehren Mariens, der Königin Frankens - Ueber 6000 Pilger wallfahrten am Sonntag auf den Kapellenberg

Am Sonntag wurde die neue Mainaschaffer Marienkapelle auf dem Kapellenberg durch Domkapitular Dr. Brander vom Domkapitel in Würzburg feierlich eingeweiht. Nicht weit davon, wo sich das alte Kapellchen, am 26.6.1887 eingeweiht, befand, erhebt sich jetzt ein etwa 8 m hoher und etwa 3 Meter breiter Turm, in dem die alte Marienglocke aus dem 14. Jahrhundert hängt, die von nun an den Engel des Herrn laeuten wird. In der Mitte des Turmes springt ein baldachinartiges Dach vor, mit Kupfer gedeckt. In die Tragbalken schrieb ein Künstler des Ave-Maria. Die Marienstatue, etwa um 1460 geschaffen, steht unter diesem Dach auf einem Sockel. Von vorne schliesst ein schmiedeeisernes Tor ab, die Rückwand bildet ein Glasfenster mit der gekroenten Maria. Zwei Stufen führen hinauf zur Marienfigur. Bei der Restauration wurden sechs Farbschichten abgezogen, bis man auf die jetzige kam. Wenn man bei Sonnenaufgang oben ist, und die Strahlen durch das Fenster fallen, scheint diese Maria zu leben, so weich und innig ist sie, mit dem Kinde auf ihrem Arm. Die Steine zum Mauerwerk wurden bei Randersacker gebrochen. Dank der Opferwilligkeit vieler Mainaschaffer ist das Werk entstanden zu Ehren Mariens, der Königin Frankens. Ein grosser Platz schliesst alles ein, auf dem am Tage der Weihe mehrere tausend Besucher in Andacht verweilten.
Von der Hoehe des Berges aus konnten die zahlreichen Pilger ihre Heimatkirchen sehen, St. Konrad und St. Michael, die Türme aus Stockstadt, Kleinostheim und Dettingen. Der Weihetag zählte als Dekanatswallfahrt, vorgeschrieben im Jahre Mariens. Entsprechend groß war auch die Beteiligung. Die Sonne schien strahlend vom Himmel, als sich die einzelnen Prozessionen, dem neu entstandenen Kreuzweg entlang der Höhe näherten. Besonderes Lob verdient Dettingen, von wo aus die Pilger fast drei Stunden wallten. Der Kirchenchor Mainaschaff, unter Fräulein Mantels bewährter Leitung, leitete die Feier ein mit einem feierlichen Chor.

Dann sprach Pfarrer Schadler Begrüssungsworte und erwähnte, dass seit 1887 Wallfahrten stattfänden. Er sagte, dass eine Urkunde eingemauert wurde mit der Baugeschichte der neuen Kapelle, aber ohne Angabe von Namen, da allzuviele mitgeholfen haetten. Er begrüßte die Pilger aus St. Michael, St. Konrad, Dettingen, Kleinostheim und Stockstadt, 6850 an der Zahl. Die Kapelle der katholischen Jugend leitete über zur Ansprache des Hochw. Herrn Domkapitulars, der seine Festpredigt unter das Thema des Ave Maria stellte. Darauf folgte die kirchliche Weihezeremonie und eine kurze Maiandacht. Die Schlusslieder des Chores und der Kapelle rundeten die Feier ab, die allen ob ihrer Schönheit immer in Erinnerung bleiben wird. Herrn Lill sei besonders gedankt für die Erstellung der Pläne dieser wirklich einmaligen Andachtsstätte".

Die Steinbrüche dienten vor allem dem Strassen- und Wegebau. So wurde beispielsweise die Ankergasse 1880 rolliert. Es wurden dort aber auch Steine für den Hausbau gebrochen.

Der Felsenkeller wurde 1860 bis 1862 vom Brauereibesitzer und Gastwirt Nikolaus Ofenstein gebaut und als Bierlager genutzt. Nach Angaben des späteren Eigentümers, Herrn Karl Kraft, brannte die über dem Bierkeller stehende Schankhalle 1917 ab und der Felsenkeller wurde verfüllt. Dieses Grundstück hat die Gemeinde 1995 erworben und den ehemaligen Felsenkeller in eine Grotte umgewandelt. Bei der Madonna handelt es sich um einen Abguss der "Maria mit Kind", Mitte des 18. Jahrhunderts, aus dem unterfränkischen Raum - Nähe Würzburg. Die Grotte wurde am 31. März 1999 in die Obhut unseres Pfarrers Josef Otter übergeben und am 15. August 1999 von Bischof Gregorio Garavito und Pfarrer Josef Otter eingeweiht.

Der Kapellenberg ist auch das Domizil des Männergesangvereins Melomania und des Vereines für Deutsche Schäferhunde e.V..

Der Männergesangverein Melomania hat im Jahre 1957 sein Grundstück erworben und das erste Bergfest gefeiert. 1959 wurden die Vereinsanlagen und der erste Kinderspielplatz Mainaschaffs am Kapellenberg eingeweiht.

Der Verein für Deutsche Schäferhunde e.V. hatte sein Übungsgelände im Jahre 1953 (Gründung des Vereins) in der Nähe des früheren Autobahnparkplatzes am Fuße des Kapellenberges. Durch den Autobahnbau hat der Verein dieses verloren und konnte erst Ende der 50er Jahre sein heutiges Übungsgelände am Fuße des Kapellenberges in Besitz nehmen.
 
Rudolf Roth



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