Vom Felsenkeller zur Grotte: Gemeinde Mainaschaff

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Vom Felsenkeller zur Grotte

Das Erhalten des noch vorhandenen Typischen - aber nicht das Suchen des Perfekten - schrieb uns das Aschaffenburger Main-Echo vor rund 9 Jahren in unser kommunales Tagebuch. Gerade weil in Mainaschaff keine historisch gewachsene Bausubstanz vorhanden ist, müssen lebens- und liebenswerte Dinge, die uns die Vergangenheit oder die Natur geschenkt haben, erhalten werden. Wenn es gelingt, in möglichst vielen Bereichen das Vorhandene sinnvoll und behutsam mit dem Machbaren zu verbinden, dann dürfen wir für uns in Anspruch nehmen, am Teppich der Ortsgeschichte im Sinne unserer Väter weitergewebt zu haben. Der Gemeinderat ist sich seiner Verpflichtungen um den Oscheffer Kapellenberges bewusst. Hier wuchs einst Wein, mindestens seit Mitte des 13. Jahrhunderts und bis Ende des 19. Jahrhunderts.

Wie bedeutend der Wingert gewesen sein muss, dokumentiert sich auf der 1594 von dem Nürnberger Kartographen Paul Pfinzing angefertigten - und bislang ältesten bekannten Spessartkarte. Hier ist der Mainaschaffer Weinberg als einziger Wingert auf der Karte eingetragen und mit der entsprechenden Beschriftung versehen. Der heute noch bewirtschaftete Klingenberger Weinberg ist zwar kartiert, aber nicht benannt. Im Inneren dieses Mainaschaffer Weinbergs befindet sich - und das ist wohl eine Besonderheit für einen fränkischen Weinberg - ein Bierkeller.

Alles Wissenswerte darüber ist im Jubiläumsband der Mainaschaffer Ortsgeschichte, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Orts- und Familiengeschichte im Jahre 1995, beschrieben. Dem Kapitel "Der Felsenkeller" darf hinzugefügt werden, dass die nach allen Regeln der Baukunst zugehauenen Wände aus Gneisgestein keinesfalls trocken sind. Bei feuchter Witterung und lange danach, gleicht der Felsenkeller einer Tropfsteinhöhle. Nicht nur aus diesem Grund, sondern weil er ein Bierkeller war und dort bekanntlich das Bier mittels Eis gekühlt wurde, hatte der Keller auch ein eigenes Entwässerungssystem, das wir heute nutzen, um das Oberflächenwasser abzutransportieren. Ebensowenig war eine Treppe in den Felsenkeller vorhanden. Die Steinstufen vom Felsenkeller zu den beiden Kastanienbäumen gibt es nicht. Diese Treppe wurde jetzt durch Gemeindearbeiter gebaut, neu eingefasst, das heisst ein kompletter Zugang geschaffen. Früher gab es dort vermutlich eine Holztreppe, die vor dem Verfüllen entweder beseitigt wurde oder aber mit der Zeit unter der Erde verrottete. Der Felsenkeller ist durch frühere Fackeln nicht geschwärzt, sondern er erstrahlt bei entsprechender Beleuchtung in allen Farben, die das Gestein Gneis zu bieten hat. Für mich war die Kenntnis, dass sich in dem ehemals bekanntesten Weinberg der Region ein Bierkeller befindet Grund genug, diesen freizulegen, um den Enkeln die Geschichte der Grossväter deutlich vor Augen zu führen.

Ich persönlich bin auf diesen Bierkeller gestoßen, als ich im Rahmen meiner Ahnenforschung Anfang der 70er Jahre ein Gespräch mit dem inzwischen verstorbenen Ortsbürger August Hohe führte. Er erzählte mir damals: "Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert befand sich im heutigen Anwesen Kosche, Ankerplatz 7, die Brauerei Ofenstein. Sie lagerte ihr Bier in einem Felsenkeller im Kapellenberg".

Der Zugang befand sich zwischen den beiden Kastanienbäumen; die Türe war aus Eisen. Auf dem Felsenkeller befand sich eine Schankhalle, welche zwischen 1862 und 1870 errichtet wurde. Diese ist 1917 abgebrannt; der Felsenkeller wurde verfüllt. Die Steine wurden für ein anderes Bauvorhaben verwendet". Diese Geschichte war für mich hochinteressant, doch konnte ich beim Herumgraben und Herumstochern zwischen den Kastanienbäumen keine Höhle entdecken. Dass es sie tatsächlich gibt, erfuhr ich im Jahre 1981, als der damalige Eigentümer sie zufällig entdeckte. Ich bedauerte, dass die Höhle damals wieder verschlossen wurde, nur weil das Landesamt für Denkmalpflege sie nicht für "denkmalwürdig" befand. Mein Ziel, sie freizulegen, war aber geblieben.

Die Idee, eine Grotte einzurichten, kam mir, als ich den Kreuzweg von Tegernsee zum Riedernstein gelaufen bin und dort zwischen zwei Stationen einen gewaltigen Felsüberhang (sozusagen eine halbe Höhle), unter dem ein Muttergottesbild hing, sah. In diesem Moment hat sich für mich der Verwendungszweck des Felsenkellers entschieden. Auf meinen Vorschlag hin, beschloss der Finanzausschuss am 14.06.1994 das Grundstück FlNr. 1771, in dem sich der Felsenkeller befindet, zu erwerben. Der Eigentümer, Karl Kraft, wollte dieses Grundstück jedoch nur im Zusammenhang mit dem Grundstück Flurstück Nr. 1769 verkaufen. Auf gemeindlichen Wunsch erwarb Frau Anny Fäth dieses Grundstück und ermöglichte damit das Gesamtgrundstücksgeschäft. Die Beurkundung fand am 22.02.1995 statt und nach der Eintragung ins Grundbuch begannen wir mit der Freilegung des Felsenkellers. Weil die Höhle sowohl im Eingangsbereich, als auch in der Mitte verfüllt war und das Material nur per Hand verladen und weggebracht werden konnte, mussten die gemeindlichen Bediensteten Knochenarbeit leisten. Doch nach Beendigung der Freilegung, war man sich einig, das Ganze hatte sich gelohnt. Im vorderen Teil war der Felsenkeller völlig intakt; ab der Mitte war er vermutlich durch die Bunkersprengarbeiten nach Ende des 2. Weltkrieges (alle Bunker wurden damals gesprengt), eingebrochen. Um zu vermeiden, dass dort Personen zu Schaden kommen, wurde dieser Teil abgemauert, indem man genau dort den Lichtschacht setzte und eine Apsis gestaltete. Hier steht heute die Madonna, welche am 26.03.1999 von der Firma Anton Fuchs GmbH & Co. KG, Maler- und Stukkaturarbeiten, Eisingen bei Würzburg, 97249 Erbachshof, aufgestellt wurde (Maria mit Kind, Mitte 18. Jahrhundert, unterfränkischer Raum - Nähe Würzburg). Zum erstenmal offiziell zugänglich war die Grotte am 55. Geburtstag unseres Pfarrers Josef Otter (31. März 1999). Unseren Wunsch, der Madonna (Grotte) einen Namen zu geben, kam er spontan nach. Aufgrund des gerade begonnenen Krieges im Kosovo gab er der Madonna (Grotte) den Namen "Maria, Königin des Friedens" und betete für alle Menschen im Kosovo und auf der ganzen Welt. Am Karfreitag gingen die Gläubigen, wie in all den Jahren vorher auch, den Kreuzweg. Anschließend betete Pfarrer Josef Otter vor dem Eingang zur Grotte für den Frieden in unserer Welt. Die Besichtigung der Grotte löste ein sehr positives Echo aus.

Am 15. August 1999 (Maria Himmelfahrt) wurden die Madonna und die Grotte durch Monsenor Gregorio Garavito, Villavicencio, Kolumbien und den Mainaschaffer Pfarrer Josef Otter geweiht, bzw. eingeweiht.

Rudolf Roth